Kratzer im Autolack
Kratzer vor dem Polieren beurteilen: Aussehen und einfache Tests messen weder die Tiefe noch den verbleibenden Klarlack.
Tiefe und Lacksystem verändern die Entscheidung
Ein Kratzer ist eine physische Beschädigung einer Oberfläche. Eine feine Spur in der obersten Lackschicht und eine bis zum Untergrund reichende Riefe sind unterschiedliche Reparaturprobleme, auch wenn beides als zerkratztes Auto bezeichnet wird.
Bei einem Basislack-Klarlack-Aufbau bearbeitet die abrasive Korrektur normalerweise den Klarlack. Sie ersetzt weder fehlende Farbe noch Grundierung oder Metallschutz. Ein Defekt kann außerdem zu tief für eine sichere Entfernung sein, selbst wenn er den Klarlack noch nicht vollständig durchdrungen hat.
Eine sichtbare Linie ist ein Hinweis, keine Schichtmessung
Eine Riefe kann Licht streuen und hell erscheinen. Eine helle Spur kann aber auch übertragenes Material oder freigelegte untere Schichten enthalten. Die Farbe allein identifiziert die beschädigte Schicht nicht. Vor der Beurteilung passend reinigen, ohne Verunreinigungen in die Oberfläche einzureiben.
Wird ein Kratzer bei Nässe weniger sichtbar, ist er dadurch nicht geheilt. Auch eine sichere Poliertiefe ist damit nicht bewiesen. Die optische Veränderung ist vorübergehend. Die Spur nicht aufkratzen oder eine Lackkante anheben, um sie zu untersuchen.
Mehrere Beobachtungen zusammenführen
Sauberen, trockenen Lack bei geeigneter Beleuchtung aus mehreren Positionen prüfen. Auf Risse, Ablösung und fehlende Beschichtung achten und frühere Nachlackierungen berücksichtigen. Dass ein Fingernagel hängen bleibt, ist nur ein grober Prüfhinweis und kein verlässlicher Test der Klarlacktiefe.
Ein übliches Lackschichtdickenmessgerät misst die Gesamtbeschichtung, nicht die Kratzertiefe oder den verbleibenden Klarlack. Messwerte können die Entscheidung unterstützen, machen aus einem Foto oder einfachen Test aber keine garantierte Diagnose.
Verbessern, belassen oder nachlackieren
Bei einer geeigneten, intakten Glanzlackierung kann ein kleiner kontrollierter Polierversuch zeigen, ob eine akzeptable Verbesserung möglich ist. Beim erforderlichen Ergebnis aufhören, statt vollständige Entfernung um jeden Preis anzustreben. Auch Handpolieren ist abrasiv.
Eine einzelne tiefe Spur kann zum Erhalt des Lacks teilweise sichtbar bleiben. Fehlende Farbe oder freiliegender Untergrund können eine passende Ausbesserung oder Reparaturlackierung erfordern. Freiliegendes Metall zeitnah beurteilen, da sein Schutz beeinträchtigt ist. Dabei nicht denselben Korrosionsmechanismus oder Zeitverlauf für Stahl, Aluminium und Kunststoff annehmen.
Nicht jeden Defekt mit einem Kratzer verwechseln
Waschkratzer und Polierspuren bestehen aus feinen Oberflächenspuren. Wasserablagerungen, chemische Ätzschäden, Steinschläge und anhaftende Verunreinigungen entstehen dagegen auf andere Weise. Ein chemischer Reiniger kann durch Ätzung verlorenen Lack nicht zurückbringen. Schleifpolitur ist nicht die erste Antwort auf jeden Fleck.
Neue Schäden reduzieren, indem loser Schmutz vor dem Kontakt entfernt, Waschmaterial sauber gehalten und wiederholtes trockenes Reiben vermieden wird. Nach der Korrektur eine zum Finish passende Pflege wählen. Veränderte Sichtbarkeit durch Wachs oder Glaze beweist nicht, dass ein Kratzer entfernt wurde.